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Jovana Reisinger: Biografie, Bücher, Filme und künstlerischer Weg

Juni 2, 2026

Juni 2, 2026

Jovana Reisinger gehört zu den auffälligsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartskultur. Sie ist Schriftstellerin, Filmemacherin, Künstlerin und Kolumnistin – eine Autorin, die Literatur, Popkultur, Feminismus, Mode, Körperbilder und gesellschaftliche Rollen nicht sauber voneinander trennt, sondern bewusst miteinander verschränkt. Ihre Arbeiten wirken oft glamourös, direkt, ironisch und zugleich politisch wach. Genau daraus entsteht ihr besonderer Ton: Reisinger schreibt über weibliche Selbstbilder, Klasse, Begehren, Scham, Kunstbetrieb und Öffentlichkeit, ohne dabei in trockene Theorie zu verfallen.

Geboren wurde Jovana Reisinger 1989 in München; öffentliche Kurzbiografien nennen außerdem, dass sie in Österreich aufwuchs. Sie wird heute meist als deutsche Autorin, Filmemacherin und bildende Künstlerin beschrieben.

Frühes Leben und Ausbildung von Jovana Reisinger

Über private Details aus Jovana Reisingers Kindheit ist öffentlich nur begrenzt etwas bekannt, was bei einer Autorin ihrer Generation nicht ungewöhnlich ist. Sicher dokumentiert ist jedoch ihr biografischer Bezug zu München und Österreich: München als Geburtsort, Österreich als prägender Ort des Aufwachsens. Diese doppelte kulturelle Verankerung taucht auch indirekt in ihrem Werk wieder auf, etwa wenn sie Heimatbilder, Alpenästhetik, österreichisch-bayerische Popmythen oder weibliche Rollenklischees dekonstruiert.

Ihr Ausbildungsweg zeigt früh, dass Reisinger nicht nur aus der Literatur kommt. Nach einem Abschluss in Kommunikationsdesign studierte sie Drehbuch und Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Diese Verbindung aus Design, Film und Sprache erklärt viel an ihrem späteren Stil: Ihre Texte denken in Bildern, ihre Filme arbeiten mit Sprache, und ihre Bühnenarbeiten bewegen sich zwischen Performance, Literatur und Inszenierung.

Der literarische Durchbruch mit „Still halten“

2017 veröffentlichte Jovana Reisinger ihren Debütroman „Still halten“ im Verbrecher Verlag. Das Buch machte sie in der Literaturszene sichtbar und wurde 2018 mit dem Bayern 2-Wortspiele-Preis ausgezeichnet. Der Roman erzählt von einer Frau in einer psychischen und familiären Ausnahmesituation und verbindet innere Spannung mit einer düsteren, konzentrierten Atmosphäre.

„Still halten“ war nicht nur ein Debüt, sondern auch ein erster klarer Hinweis auf Reisingers literarische Handschrift. Sie interessiert sich für Frauenfiguren, die nicht bequem erzählt werden. Ihre Protagonistinnen sind nicht dazu da, sympathisch, glatt oder leicht konsumierbar zu sein. Stattdessen tragen sie Wut, Müdigkeit, Sehnsucht, Scham und Widerstand in sich. Damit stellte Reisinger früh jene Themen ins Zentrum, die später noch deutlicher zu ihrem Werk gehören sollten: Geschlechterrollen, Erwartungen an Künstlerinnen, weibliche Körper, soziale Zuschreibungen und die Frage, wem in der Öffentlichkeit welche Freiheit zugestanden wird.

„Spitzenreiterinnen“ und der Blick auf Frauenbilder

Mit dem Roman „Spitzenreiterinnen“, erschienen 2021, baute Jovana Reisinger ihr literarisches Profil weiter aus. Das Buch war für den Bayerischen Buchpreis 2021 nominiert und wurde später auch für die Bühne bearbeitet. Inszenierungen des Romans waren 2023 unter anderem am Staatstheater Kassel und am Residenztheater München zu sehen; bei der Münchner Fassung war Reisinger an der Textfassung beteiligt.

In „Spitzenreiterinnen“ interessiert sich Reisinger für weibliche Rollenbilder, soziale Performance und die Frage, wie Frauen in einer von Bewertung geprägten Gesellschaft funktionieren sollen. Der Titel klingt sportlich, fast wettbewerbsartig, und genau diese Logik spielt im Werk eine wichtige Rolle: Wer gilt als erfolgreich? Wer wird gesehen? Wer darf laut, schön, widersprüchlich, begehrend oder wütend sein?

Jovana Reisinger zwischen Essay, Kolumne und Popkultur

Neben ihren Romanen ist Jovana Reisinger auch als Essayistin und Kolumnistin präsent. Von 2020 bis 2022 schrieb sie die Menstruationskolumne „Bleeding Love“ für Vogue Deutschland; später folgte eine Single-Kolumne für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Außerdem erschien 2023 ihr Band „Menstruation“ in der Reihe „Reclam 100 Seiten“.

Diese Arbeiten zeigen, wie selbstverständlich Reisinger Themen aufgreift, die lange entweder tabuisiert oder banalisiert wurden. Menstruation, Dating, Körper, Schönheit, Konsum, Mode und Genuss erscheinen bei ihr nicht als Nebensächlichkeiten, sondern als gesellschaftliche Schauplätze. Sie schreibt darüber mit Humor, Schärfe und einem Gespür für die kleinen Gesten, durch die Menschen ihre Zugehörigkeit, Unsicherheit oder Selbstbehauptung zeigen.

„Enjoy Schatz“ und die Bühne

2022 erschien „Enjoy Schatz“, ein essayistischer Roman, der Betrachtungen zu Feminismus, Patriarchat, Gesellschaft, Kunst und Literatur mit autobiografischen Elementen verbindet. 2023 erhielt Reisinger dafür den Kunstförderpreis des Freistaats Bayern. Im Frühjahr 2024 wurde „Enjoy Schatz“ an der Berliner Schaubühne uraufgeführt.

„Enjoy Schatz“ passt besonders gut zu Reisingers öffentlicher Wahrnehmung: Es ist ein Werk, das sich nicht in eine einfache Kategorie pressen lässt. Es ist Literatur, Selbstinszenierung, Kritik und Spiel zugleich. Der Ton kann komisch sein, aber nie harmlos. Reisinger nutzt Witz nicht, um Themen abzuschwächen, sondern um sie präziser zu machen. Gerade dadurch wirken ihre Texte oft zugänglich, obwohl sie komplexe kulturelle Fragen verhandeln.

„Pleasure“: Genuss, Klasse und Glamour

Mit „Pleasure“ veröffentlichte Jovana Reisinger 2024 einen Essay-Roman bei park x ullstein. Das Buch beschäftigt sich mit Schlafen, Essen, Mode, Luxus, Kitsch, Camp, Klasse und weiblichem Genuss. Der Verlag beschreibt es als eine Tour durch eine „Luxus-Triade“ aus Schlaf, Nahrung und Kleidung; zugleich geht es um die verdeckten Normen eines vermeintlich liberalen Kunst- und Kulturbetriebs.

In „Pleasure“ wird besonders sichtbar, weshalb Reisinger als eigenständige Gegenwartsstimme wahrgenommen wird. Sie nimmt Dinge ernst, die oft abgewertet werden: künstliche Fingernägel, Strass, Glamour, Mode, Übertreibung, Genuss und Begehren. Daraus entsteht keine simple Feier des Konsums, sondern eine kluge Auseinandersetzung mit der Frage, wer sich Lust, Schönheit, Faulheit oder Überfluss überhaupt erlauben darf.

Film, Kunst und „Unterwegs im Namen der Kaiserin“

Jovana Reisinger ist nicht nur Autorin, sondern arbeitet auch im Film und in der bildenden Kunst. Ihre Kurzfilme liefen in Ausstellungen und auf Festivals, unter anderem bei den Kurzfilmtagen Oberhausen, im yi:project space Beijing und in der Kunsthalle Osnabrück.

Ein wichtiger Schritt in ihrer Filmkarriere ist ihr erster Langspielfilm „Unterwegs im Namen der Kaiserin“. Für dieses Projekt erhielt sie 2026 den Grimme-Preis Spezial. Ausgezeichnet wurde sie für Buch, Regie und Creation; die Jury würdigte die zeitgemäße Dekonstruktion des Sisi-Hypes durch eine radikale Ästhetik.

Der Film passt stark zu Reisingers künstlerischem Profil. Sisi, Alpenromantik, Jugendkult, weibliche Schönheit, Camp und mediale Mythen bilden ein Feld, das sie mit überdrehter Ästhetik und gesellschaftskritischem Blick bearbeitet. Statt historische Nostalgie zu bedienen, zerlegt sie den Mythos und fragt, warum bestimmte Frauenbilder bis heute so mächtig bleiben.

Warum Jovana Reisinger bemerkenswert ist

Jovana Reisinger ist bemerkenswert, weil sie mehrere kulturelle Sprachen gleichzeitig spricht. Sie kennt die Codes der Literatur, der Mode, des Films, der Kunstszene und der sozialen Medien. Ihre Texte wirken nicht wie abgekapselte Literatur aus dem Elfenbeinturm, sondern wie Gegenwartsbeobachtungen aus einer Welt, in der Instagram, Theaterpremieren, Feminismus, Klassenzugehörigkeit, Körperpolitik und Popästhetik längst miteinander verbunden sind.

Dabei bleibt ihr Werk nicht bei Oberfläche stehen. Gerade Oberflächen interessieren sie als politische Zeichen: Kleidung, Styling, Auftreten, Räume, Statussymbole und Schönheitsrituale erzählen bei ihr etwas über Macht. Reisinger fragt, warum manche Formen von Geschmack als kultiviert gelten und andere als billig. Sie fragt, warum Frauen für Selbstinszenierung kritisiert werden, während ihnen gleichzeitig Unsichtbarkeit droht. Und sie fragt, wie Genuss aussehen kann, wenn er nicht beschämt, versteckt oder entschuldigt werden muss.

Öffentliche Wahrnehmung und aktueller Stand

Jovana Reisinger wird heute als Autorin wahrgenommen, die sich konsequent zwischen Literatur, Film, Theater, Essay und Kunst bewegt. Ihre Veröffentlichungen reichen von „Still halten“ über „Spitzenreiterinnen“ und „Enjoy Schatz“ bis zu „Pleasure“. Aktuelle öffentliche Biografien nennen außerdem ihre Arbeit an Prosa, Essays, Stücken, Drehbüchern und Hörspielen sowie Inszenierungen für Radio, Kino, TV und Theater.

2026 wurde sie zudem als Teilnehmerin der Tage der deutschsprachigen Literatur beziehungsweise des Ingeborg-Bachmann-Preises genannt. Die ORF-Biografie führt sie als 1989 in München geborene Autorin, die in Berlin lebt und auf Einladung von Mara Delius liest.

Häufig gestellte Fragen zu Jovana Reisinger

Sind Eva Reisinger und Jovana Reisinger verwandt?

Nach öffentlich auffindbaren Angaben gibt es keinen belegten Hinweis darauf, dass Eva Reisinger und Jovana Reisinger verwandt sind. Die Frage entsteht vermutlich wegen des gemeinsamen Nachnamens und weil beide als Autorinnen im deutschsprachigen Literaturbetrieb sichtbar sind. Bei „Das Pen!smuseum“ gibt es zudem eine literarische Verbindung: Eva Reisinger und Mareike Fallwickl sind die Hauptautorinnen, Jovana Reisinger ist mit einem Gastbeitrag beteiligt. Eine Rezension weist ausdrücklich darauf hin, dass Jovana Reisinger nicht mit Eva Reisinger verwandt sei.

Wo wohnt Jovana Reisinger?

Aktuelle öffentliche Angaben nennen Berlin als Wohnort von Jovana Reisinger. Ältere oder andere Kurzbiografien führen sie teils noch mit Münchenbezug beziehungsweise als in München lebend, was vermutlich mit ihrer Herkunft, Ausbildung und langen künstlerischen Verbindung zur Stadt zusammenhängt. Für den aktuellen Stand ist Berlin die vorsichtigere Angabe.

Wo hat Jovana Reisinger studiert?

Jovana Reisinger studierte nach einem Abschluss in Kommunikationsdesign Drehbuch und Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Eine Künstlerinnenbiografie nennt den Abschluss in Kommunikationsdesign an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München.

Wer ist Leo Reisinger?

Leo Reisinger ist ein deutscher Schauspieler, Musiker und Schriftsteller. Er wurde 1978 in München geboren und ist unter anderem durch Film- und Fernsehrollen bekannt; seine Agentur nennt München als Wohnort und führt außerdem seine musikalische Ausbildung beziehungsweise Instrumente wie Klavier, Gitarre und Schlagzeug auf. Eine familiäre Verbindung zu Jovana Reisinger ist öffentlich nicht zuverlässig dokumentiert.