
Elif Oskan: Die Zürcher Spitzenköchin, die türkische Küche neu erzählt
Elif Oskan gehört zu den spannendsten Stimmen der modernen Schweizer Gastronomie. Bekannt wurde sie nicht durch laute Inszenierung, sondern durch eine Küche, die sehr persönlich wirkt: türkisch geprägt, handwerklich präzise, warmherzig und zugleich zeitgemäß. In Zürich steht ihr Name vor allem für das Restaurant Gül, einen Ort, an dem anatolische Aromen, offene Feuerstellen, hausgemachtes Brot, Mezze, Pide, Köfte und feine Patisserie auf eine moderne Restaurantkultur treffen. Das Ergebnis ist keine einfache Neuauflage traditioneller Gerichte, sondern eine kulinarische Handschrift, die Herkunft, Erinnerung und professionelle Spitzenküche miteinander verbindet.
Wer ist Elif Oskan?
Elif Oskan ist eine türkisch-schweizerische Köchin, Patissière, Gastronomin und TV-Persönlichkeit aus Zürich. In der Öffentlichkeit wird sie vor allem mit dem Restaurant Gül Restoran verbunden, das sie als Gastgeberin, Köchin und Mitgründerin prägt. Ihre Küche steht für eine moderne Interpretation türkischer und anatolischer Esskultur: vertraute Gerichte werden nicht verfremdet, sondern mit technischem Können, guten Produkten und einem klaren Sinn für Atmosphäre neu lesbar gemacht.
Dass Elif Oskan heute als eine der bekanntesten Köchinnen der Schweiz wahrgenommen wird, liegt nicht nur an Auszeichnungen oder Fernsehauftritten. Entscheidend ist ihre Fähigkeit, Gastronomie als Erlebnis zu verstehen. Bei ihr geht es nicht allein darum, was auf dem Teller liegt. Es geht um Gerüche, Stimmen, Familiengeschichten, Gastfreundschaft und den Moment, in dem Essen Menschen zusammenbringt.
Herkunft und frühe Prägung
Elif Oskan wurde in der Türkei geboren und wuchs in Zürich auf. Ihre familiären Wurzeln liegen in der türkischen Küche, insbesondere in einer Esskultur, in der Kochen viel mit Fürsorge, Gemeinschaft und Alltag zu tun hat. In Porträts über sie wird immer wieder deutlich, wie stark die Küche ihrer Mutter sie geprägt hat. Türkisches Essen war für sie nicht zuerst ein Konzept oder ein Restaurantthema, sondern Teil ihres Zuhauses.
Diese frühe Nähe zur Hausmannskost ist wichtig, um Elif Oskans Stil zu verstehen. Ihre Küche wirkt nicht wie ein theoretisches Projekt über Herkunft, sondern wie eine sehr bewusste Weiterführung persönlicher Erinnerungen. Klassiker wie Lahmacun, Pide, Köfte, Börek oder Baklava stehen bei ihr nicht für Nostalgie allein. Sie werden mit dem Blick einer professionellen Köchin betrachtet, die weiß, wie viel Technik, Balance und Timing in scheinbar einfachen Gerichten stecken.
Der Weg in die professionelle Küche
Elif Oskan entschied sich früh für das Kochen und absolvierte ihre Ausbildung in der Schweiz. Zu ihren prägenden Stationen gehörten unter anderem das Seehotel Sonne in Küsnacht, Zürcher Restaurants und später auch Erfahrungen außerhalb der Schweiz. Besonders wichtig wurde ihre Zeit im Umfeld der internationalen Spitzengastronomie: Sie sammelte Erfahrung bei Heston Blumenthal, dessen Restaurant The Fat Duck in England für experimentelle und technisch anspruchsvolle Küche bekannt ist.
Diese Station half ihr, Handwerk und Kreativität anders zu denken. Moderne Techniken, präzise Abläufe und ein spielerischer Umgang mit Geschmack wurden Teil ihres professionellen Werkzeugs. Gleichzeitig entfernte sie sich dadurch nicht von ihren Wurzeln. Im Gegenteil: Je mehr sie in der Spitzengastronomie lernte, desto klarer wurde offenbar, dass ihre eigene kulinarische Sprache aus der Verbindung von türkischer Erinnerung, Zürcher Gegenwart und internationalem Können entstehen würde.
Patissière mit Sinn für Details
Neben ihrer Arbeit als Köchin ist Elif Oskan auch als Patissière bekannt. Gerade diese süße Seite ist ein wichtiger Bestandteil ihres Profils. Patisserie verlangt Geduld, Präzision und ein gutes Verständnis für Texturen. Diese Eigenschaften finden sich auch in ihrer herzhaften Küche wieder: knusprige Teige, feine Cremes, kontrollierte Hitze, ausgewogene Säure und ein klares Gespür dafür, wann ein Gericht genug ist.
Besonders deutlich wird das beim Umgang mit Baklava und anderen Desserts, die im Gül nicht nur als süßer Abschluss verstanden werden. Sie sind Teil einer größeren Erzählung über türkische Gastfreundschaft, Tee, Familie und die Freude an intensiven Aromen. GaultMillau hebt in seiner Beschreibung des Restaurants unter anderem Oskans Patisserie-Handwerk und ihr Baklava hervor.
Gül in Zürich: Elif Oskans kulinarische Bühne
Das Restaurant Gül in Zürich ist der zentrale Ort, an dem Elif Oskans Küche sichtbar wurde. Offiziell beschreibt sich das Gül als von der Türkei inspiriert und in Zürich verwurzelt. Gekocht wird mit offenem Feuer, Holzofen und Grill; die Speisekarte orientiert sich an den vielfältigen kulinarischen Regionen der Türkei und verändert sich saisonal.
Für Zürich war dieses Konzept besonders interessant, weil es türkische Küche nicht auf schnelle Imbissbilder reduziert. Elif Oskan zeigt, dass anatolische und türkische Gerichte Tiefe, Regionalität und Raffinesse besitzen. Ein gutes Lahmacun, ein perfekt gebackenes Brot, ein sorgfältig abgeschmeckter Eiersalat oder ein komplexes Grillgericht können genauso viel Aufmerksamkeit verdienen wie klassische französische oder italienische Restaurantküche.
Das Gül ist dabei kein steifer Fine-Dining-Raum. Es lebt von Wärme, Lautstärke, Nähe und Bewegung. Genau diese Mischung macht Elif Oskans Arbeit so wiedererkennbar: Sie bringt die Techniken der gehobenen Küche in einen Rahmen, der zugänglich bleibt. Essen soll bei ihr nicht einschüchtern, sondern verbinden.
Zusammenarbeit mit Markus Stöckle
Ein wichtiger Teil von Elif Oskans beruflichem Weg ist ihre Zusammenarbeit mit Markus Stöckle. Die beiden gelten in der Zürcher Gastronomie als kreatives Paar, das mehrere Ideen und Projekte gemeinsam geprägt hat. Ihre berufliche Verbindung wird oft über zwei unterschiedliche kulinarische Welten erzählt: Oskans türkisch-anatolische Prägung und Stöckles bayerische Herkunft. Daraus entstand ein spielerischer Umgang mit Tradition, der sowohl im Gül als auch im Restaurant Rosi sichtbar wurde.
Interessant ist daran nicht nur die private oder geschäftliche Partnerschaft, sondern die Art, wie beide Tradition verstehen. Es geht nicht darum, alte Gerichte museal zu bewahren. Vielmehr werden vertraute Aromen ernst genommen, neu zusammengesetzt und mit Humor, Technik und persönlicher Erinnerung ergänzt. Diese Haltung passt gut zu einer jungen urbanen Gastronomie, die Herkunft nicht als starres Etikett betrachtet.
Anerkennung in der Schweizer Gastronomie
Elif Oskan hat sich mit dem Gül einen festen Platz in der Schweizer Gastroszene erarbeitet. GaultMillau führt das Restaurant und beschreibt es als lebendigen Zürcher Ort mit zeitgemäß interpretierter Küche und persönlichem Ausdruck. In weiteren Porträts wird Oskan als Köchin hervorgehoben, die türkische Küche modern interpretiert und damit ein breiteres Publikum erreicht.
Diese Anerkennung ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Küche, für die sie steht, lange nicht selbstverständlich im Zentrum gehobener Restaurantkritik stand. Türkische Küche wurde im deutschsprachigen Raum oft verkürzt wahrgenommen. Elif Oskan gehört zu den Köchinnen, die dieses Bild verändern. Sie zeigt, dass Gerichte aus der Türkei nicht nur Alltagsklassiker sein können, sondern auch eine Bühne für Produktqualität, Technik und moderne Gastlichkeit bieten.
Kochbuch „Cüisine“: Rezepte, Erinnerung und Identität
2023 veröffentlichte Elif Oskan ihr Kochbuch „Cüisine – Türkische Lieblingsrezepte“ im AT Verlag. Das Buch gibt Einblick in ihre persönliche Küche, in Gerichte aus ihrer Kindheit, aus der Familie und aus dem Restaurant Gül. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Pide, Köfte, Börek, Dolma, Baklava und türkischer Kaffee. Der Verlag beschreibt Oskan als Zürcher Gastronomin mit türkischen Wurzeln, die nach verschiedenen Stationen in der Schweiz und einer Station bei Heston Blumenthal heute das Restaurant Gül in Zürich führt.
Das Buch passt gut zu ihrer öffentlichen Rolle. Es macht ihre Küche nicht nur für Restaurantgäste zugänglich, sondern erklärt auch, warum bestimmte Gerichte emotional wichtig sind. „Cüisine“ ist damit mehr als eine Rezeptsammlung. Es ist ein kulinarisches Porträt, in dem Familie, Freundschaft, Handwerk und mediterran-anatolische Esskultur zusammenkommen.
Elif Oskan im Fernsehen
Neben ihrer Arbeit in der Gastronomie wurde Elif Oskan auch durch TV-Formate bekannter. In der Schweiz war sie Teil der Jury von MasterChef Schweiz. Für die dritte Schweizer Staffel, die 2024 ausgestrahlt wurde, gehörte sie neben Nenad Mlinarevic und Andreas Caminada zur prominenten Jury.
Auch im deutschen Fernsehen gewann sie an Sichtbarkeit. Bei The Taste trat sie zunächst als Gastjurorin beziehungsweise Gast-Coach auf und wurde später feste Coachin. 2026 wurde sie von Joyn/SAT.1 erneut als feste Coachin der kommenden Staffel vorgestellt. Damit ist Elif Oskan nicht mehr nur eine bekannte Zürcher Gastronomin, sondern auch einem breiteren deutschsprachigen Fernsehpublikum ein Begriff.
Ihre TV-Präsenz wirkt dabei glaubwürdig, weil sie aus einer realen Restaurantkarriere kommt. Sie ist keine reine Medienfigur, sondern bringt praktische Erfahrung, Patisserie-Wissen, Restaurantalltag und eine klare kulinarische Haltung mit. Gerade das macht sie für Kochshows interessant: Sie kann Geschmack emotional erklären, ohne das Handwerk aus dem Blick zu verlieren.
Kulinarischer Stil: Tradition ohne Stillstand
Elif Oskans Küche lässt sich am besten als moderne, persönliche Interpretation türkischer und anatolischer Esskultur beschreiben. Sie arbeitet mit vertrauten Grundideen: Feuer, Teig, Joghurt, Kräuter, Gewürze, Hülsenfrüchte, Fleisch, Gemüse und süße Abschlüsse. Doch die Umsetzung ist präzise und oft überraschend.
Wichtig ist, dass sie Tradition nicht als Grenze versteht. Ein Rezept darf sich entwickeln, solange sein Kern respektiert wird. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie nimmt Gerichte ernst, die viele Menschen aus dem Alltag kennen, und zeigt, wie viel Tiefe in ihnen steckt. Ihre Küche ist zugänglich, aber nicht simpel. Sie ist emotional, aber nicht sentimental. Sie ist modern, ohne ihre Herkunft zu verlieren.
Warum Elif Oskan notable ist
Elif Oskan ist bemerkenswert, weil sie mehrere Rollen überzeugend verbindet. Sie ist Köchin, Patissière, Gastgeberin, Unternehmerin, Kochbuchautorin und TV-Coachin. Vor allem aber steht sie für einen Wandel in der Wahrnehmung türkischer Küche im deutschsprachigen Raum. Sie macht sichtbar, dass diese Küche weit mehr ist als ein begrenztes Set bekannter Imbissgerichte.
Ihre Arbeit zeigt, wie zeitgemäße Biografien in der Gastronomie aussehen können: geprägt von Migration, urbanem Leben, Familienküche, Ausbildung, internationaler Erfahrung und einer eigenen Stimme. Elif Oskan erzählt keine abstrakte Erfolgsgeschichte, sondern eine kulinarische Entwicklung, die auf Herkunft und Handwerk basiert.
Elif Oskan heute
Heute ist Elif Oskan vor allem mit Zürich, dem Gül und ihrer wachsenden Medienpräsenz verbunden. Sie arbeitet weiterhin als Gastronomin und Köchin, tritt in Kochformaten auf und erreicht mit ihrem Buch sowie ihren TV-Auftritten ein Publikum, das weit über die Zürcher Restaurantszene hinausgeht. Ihr Profil bleibt dabei klar: türkische Küche, moderne Technik, Patisserie, Gastfreundschaft und ein Sinn für Gerichte, die nicht nur schmecken, sondern Erinnerungen wecken.










